Erfahrungsbericht nach Augen-OP – 14 Tage nicht lesen und nicht schreiben
„Abwarten und Tee trinken“ heißt die Redewendung. Besser würde passen: Tee trinken und nichts tun.
Ich sitze beim Frühstück und trinke noch eine Tasse Tee. Und tue nichts.
Das ist ja für mich immer noch das Schwerste, was es gibt.
Nach der Augen-OP soll ich 14 Tage nicht schreiben und nicht lesen. Auch nicht malen – habe extra noch mal mit leiser Hoffnung nachgefragt.
Also das, was ich sonst 90% des Tages tue, geht nun nicht mehr.
Daher probiere ich so einiges aus, sage mir beschwichtigend, es ist doch spannend, einmal neue Erfahrungen zu machen!
Was ich so ausprobiert habe
Immerhin habe ich spannende Krimis als Hörbücher gefunden. Sebastian Fitzek sei Dank, er hat mich über die ersten Tage gerettet.
Aber auch Hörbücher kann ich nicht stundenlang am Stück hören. Beim Hören schweifen meine Gedanken ab oder abends im Bett dämmere ich zwischendurch ein. Beim Lesen ist das anders.
Irgendwann wird es auch anstrengend, also ist es keine Dauerlösung für mich.
Ich soll mich ja auch nicht anstrengen und nicht bücken.
Ansonsten hätte ich die Zeit ja prima zum Entrümpeln und Aufräumen nutzen können. Ein Versuch auf der Diele mit Höckerchen ist aber auch gescheitert, das geht auch nicht.
Das Auge meldet sich eh öfter und meckert, da kann ich dann nur die Augen zu machen, am besten im Liegen. Also döse ich ziemlich viel in der Zeit.
Oder glotze vor mich hin.
Völlig ungewohnt.
Beim Essen nicht lesen.
Vorbildlich, soll man ja eh nicht.
Sei es in Erinnerung an alte Zen-Zeiten: „Mach immer nur eine Sache und konzentriere dich voll auf diese!“
Oder als Ernährungstipp: „Beim Essen nichts anderes machen, dann nimmt man besser ab.“
Tja, das Resultat ist aber, dass mein Gehirn natürlich trotzdem aktiv ist. Und gerade beim Essen erwische ich mich ständig bei irgendwelchen blöden Grübelgedanken, doofen Geschichte, die auftauchen und sich von selbst weitererzählen etc.
Das kann ja auch nicht gesund sein!
Da muss ich auch noch etwas finden, wie ich das ganz schnell merke und stoppen kann.
Ich könnte ja außer Hörbüchern auch Fantasiereisen und Entspannungsübungen anhören, aber das ist auch so ein „mich berieseln lassen“ und ich bin ja ein sehr aktiver Mensch. Das habe ich nur einmal abends zum Einschlafen gemacht.
Also wenn ich lese, bin ich ein bisschen aktiv?
Und beim Hören nicht?
Vielleicht fällt es mir deshalb so schwer?
Am Wochenende konnte ich dann nicht mehr an mich halten.
Habe das komplette Schlafzimmer umgeräumt, Regale abgebaut, schon vorher mit meiner Haushaltshilfe das Bett verschoben und am nächsten Wochenende werde ich neue Kommoden zusammenbauen. Wünscht mir Glück, ich bin handwerklich jetzt nicht soo begabt. Aber verbissen. Ich bleibe dran.
Womit ich sonst noch so die Zeit verbracht habe

Ich hatte ja nun deutlich mehr Zeit als sonst, also quasi Urlaub. Habe es aber überhaupt nicht als Urlaub empfunden. Denn ich durfte ja nicht, was ich hauptsächlich im Urlaub mache: Lesen!
Aber so konnte ich auch in der Woche Leute treffen.
War auf 3 Konzerten.
Doch mit der ganzen Fahrerei drumherum leider doch zu anstrengend.
Von wegen so ne OP ist ein Klacks! Bei mir nicht, mein Körper hat noch ordentlich zu tun, um zu heilen und mich wieder fit zu machen.
Leider hatte ich auch viele Arzt-Termine. Zumindest der Zahnarzt-Termin so kurz nach der OP war keine gute Idee. Mein Kreislauf meckerte und die Behandlung musste abgebrochen werden.
Alles in Allem: eine sehr ungewohnte Zeit.
Rumhängen, nicht tun können, was ich gerne mache, sozusagen Zeit verschwenden.
Zeit verschwenden?
Was mich zu den philosophischen Gedanken führte, kann man Zeit überhaupt verschwenden? Sie ist ja einfach da.
Ich kann sie unterschiedlich nutzen. Sinn-voll, sinn-los, erfreut, aufgeregt, gelangweilt… Aber die Zeit bleibt einfach die Zeit.
Ne Stunde und noch ne Stunde. Prima, wieder einen Tag ohne Lesen überlebt.
Naja, nicht ganz so krass.
Ach ja, fernsehen durfte ich. Mache ich aber nur abends einen Krimi. Tagsüber schon vor der Glotze, da werde ich matschig, das möchte ich nicht.
Vielleicht ein Meditations-Retreat?
Aber tiefgründige Erkenntnisse und Erfahrungen habe ich (noch) nicht gemacht.
Ach ja, wenn ich noch wie früher meditieren würde, wäre diese Nach-OP-Zeit ja optimal für ein Retreat. Einfach nur da sitzen und schweigen und die Augen schließen.
Wenn ich nicht gerade ZEN mache, die haben die Augen ja ein wenig offen, damit man nicht in Halbschlummer fällt, sondern wach bleibt. Fand ich immer total schwierig, ich kann mich mit geschlossenen Augen besser konzentrieren.
Aber im Moment mache ich ja nur Mini-Versuche nach dem Yoga, setze mich auf den Futon und – meditiere – nicht. Was ich da treibe, hat jedenfalls nicht diesen Namen verdient.
Das fand ich beim ZEN ja immer prima: die nennen das „sitzen“ oder „praktizieren“ oder „üben“. Ja, das mache ich. Aber von wirklicher Meditation bin ich inzwischen leider wieder Lichtjahre entfernt.
Ja, und Yoga durfte ich nach der OP auch nicht machen. Auf keinen Fall den „herabschauenden Hund“, wie der Arzt meinte. Sicherheitshalbe habe ich nix gemacht, das Auge hatte Priorität Nr. 1 und daher schlich ich 2 Wochen durch mein Leben.
Übersicht
Also
- Nicht lesen
- Nicht schreiben
- Nicht malen
- Nicht bücken
- Nicht anstrengen
- Kein Yoga
Aber
- Kochen und essen
- Sitzen
- Stehen
- Gehen
- Spazieren gehen
- Leute treffen
- Fernsehen (!) immerhin
- Hörbücher
Probiert und doof gefunden oder noch nicht geklappt
- Blind malen (wenn ich nicht sehe, was ich male, keine Farben sehe, was soll das dann? Es geht mir ja nicht um ein Ergebnis, sondern um den Prozess, das Malen, die Farben aufs Papier bringen etc.)
- Ideen aufs Handy gesprochen, das dann schreiben sollte (kommt nur schwer lesbares Kauderwelsch bei rum und wenn ich es nicht sofort korrigiere – was ja nicht geht – verstehe ich später fast nix mehr)
- Podcast (konnte mich nicht mal aufraffen, es auszuprobieren, fand die früheren Versuche immer doof)
- Backen (war ja auch ne Idee gewesen, das weiter auszuprobieren, konnte mich aber nicht aufraffen, ist ja nicht wirklich meine Leidenschaft).
⇒ Und gerne dürft ihr mir weitere Tipps für die nächste OP Anfang Dezember in die Kommentare schreiben, ich freue mich sehr darüber!
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