Im letzten Beitrag habe ich dir eine Methode vorgestellt, wie du mit dir alleine eine Pro- und Kontra-Diskussion zu einem Thema führen kannst. Es ging um das Thema Online-Seminare – ja oder nein.

Heute stelle ich dir eine Gruppenübung vor, mit der ihr auch lebhafte Pro- und Kontra-Diskussionen führen könnt.

Ganz gleich zu welchem Thema!

Was ist dein Thema?


Es kann dabei um Meinungen und Standpunkte zu einem Thema gehen, aber auch um unterschiedliche Erfahrungen, Wünsche oder Bedürfnisse.

Das hängt natürlich von deinem Seminarthema ab.

  • Überlege also als erstes, welches Thema bietet sich bei dir an für eine interessante und lebhafte Diskussion?
    Wo könnte es unterschiedliche Sichtweisen oder Herangehensweisen geben?

Diese Methode kann auch durchaus sinnvoll sein, wenn es gar nicht um wirkliche unterschiedliche Standpunkte geht. Sie trägt auf jeden Fall dazu bei, dass deine Teilnehmenden absolut wach und konzentriert beim Thema sind.
Und wenn du das Ganze bewusst auch spielerisch aufziehst, haben sie auch noch Spaß dabei.

Ich stelle dir zwei Varianten vor. Eine, bei der du selbst vorher die Argumente sammelst und die Methode schon vorbereitest und eine, wo die Teilnehmenden die Argumente selbst erarbeiten.

Zusammenfassung

2 Varianten für eine Pro- und Kontra-Diskussion in einem Online-Seminar

1. Variante – Online-Variante mit Trainer-Vorbereitung
Diese „kostet“ im Seminar weniger Zeit: Du bereitest als Trainerin schon alle Argumente und Kärtchen vor, so dass die Teilnehmenden direkt mit der Methode loslegen können.

2. Variante – Online-Variante mit Gruppen-Erarbeitung
In dieser Variante entwickeln die Gruppen selbst die Argumente. Die Arbeit geht daher sehr viel tiefer, die Teilnehmenden setzen sich noch viel intensiver mit dem Thema auseinander und auch mit ihrer eigenen Haltung.
Es „kostet“ aber auch mehr Zeit.

3. Pro und Kontra-Argumente zum Thema Online-Seminare
Hier kannst du meine Liste für dieses Spiel sehen…
Auch wenn du das gleiche Thema nehmen möchtest, kannst du natürlich eigene Argumente einfügen oder ersetzen.

4. Video zur technischen Erstellung und noch einige Erläuterungen und Beispiele zur Methode



1 – Online-Variante mit Trainer-Vorbereitung

Wenn du nicht so viel Zeit hast, dass die Teilnehmenden selbst all die Argumente erarbeiten, dann kannst du diese Variante einsetzen.

1 – Du stellst schon eine Liste von Pro- und Kontra-Argumenten zu deinem Thema zusammen. (Meine kannst du weiter unten anschauen)

2 – Auf einem Whiteboard bereitest du Notizzettel in zwei verschiedenen Farben vor: Eine Farbe für die Pro-Argumente, eine andere Farbe für die Kontra-Argumente.
Auf jedem Notizzettel steht ein Argument

3- Du deckst die Argumente mit leeren Notizzetteln ab, so dass nicht zu sehen ist, was wo steht.

Ich selbst habe bei meinem Beispiel noch weiter unterschieden und jeweils 5 praktische Argumente notiert und auf eine andere Farbe methodisch-didaktische Argumente.

Das muss man aber nicht machen und ich habe sie dann auch unter den verdeckten Karten vermischt, damit es nicht vorher klar ist, aus welcher Kategorie ein Argument ist.

Ich habe das bei diesem Thema wohl nur unterschieden, weil es mir ein so großes Anliegen ist zu zeigen, dass eben nicht nur und in erster Linie praktische Argumente für Online-Seminare sprechen. Diese werden ja noch am ehesten gesehen und akzeptiert.

Sondern dass es auch eine Menge methodisch-didaktischer Argumente FÜR Online-Seminare gibt – und diese somit nicht eine schlechte zweite Wahl gegenüber Präsenz-Seminaren sind.

Verlauf

2 Gruppen

Es bilden sich 2 Gruppen, Pro und Kontra – entweder zufällig oder nach tatsächlicher Haltung. Sie sollten aber gleich groß sein und nicht mehr als 5-6 Teilnehmende beinhalten.

1. Runde

1 TN beginnt und wählt einen Zettel aus
Ein Teilnehmer einer Gruppe beginnt, beispielsweise aus der Pro Gruppe:
er deckt einen Notizzettel der anderen Gruppe auf (also aus der Kontra-Abteilung) und liest diesen Zettel vor.

Am besten kopiert er den Zettel und schiebt ihn rechts neben das Feld.
(oder du als Trainerin übernimmst den Job des Kopierens, wenn die TN da nicht so fit sind).

  1. Beispiel:
    Ich kriege ja gar nicht mit, was die Einzelnen machen und wie es ihnen geht.

Gegenargument
Dann nennt er spontan ein Gegenargument aus seiner Pro-Sicht. Wobei es natürlich hilfreich ist, wenn sich das Argument auch auf das bezieht, was auf dem Zettel steht.

Beispiel Gegenargument:
Ich sehe die TN auf den Videokacheln viel deutlicher als in einem großen Seminarraum und bekomme deren Mimik sehr deutlich mit.


Dieses Gegenargument wird auch auf einem Notizzettel festgehalten und daneben gelegt (in der richtigen Pro-Farbe).

2. Runde

Nun kommt ein Teilnehmer der anderen Gruppe dran, in dem Fall der Kontra-Gruppe.

Er zieht einen Zettel aus der Pro-Abteilung, kopiert ihn und legt ihn zur Seite.
Daneben kommt ein Zettel mit einem Kontra-Argument.
Das er entweder selbst entwickelt oder eine der unten genannten Varianten wählt.

So geht das also hin und her.

Ziel

Ich denke, es wird schnell deutlich: Es geht hier überhaupt nicht um gewinnen oder verlieren.
Auch nicht um das Abfragen einzelner Teilnehmender, ob sie etwas wissen oder nicht.

Sondern alle Beteiligten sind angeregt, über das Thema nachzudenken und sich auszutauschen, unbekannte und neue Argumente überhaupt einmal wahrzunehmen, sich Gedanken zu machen, weitere Argumente zu finden usw.

Und damit ein Thema auf ganz andere Weise tiefer zu bearbeiten und zu betrachten.

Erweiterungen und Varianten

  • Du kannst die Methode auch so erweitern, dass die TN auch konkrete eigene Erfahrungen und Beispiele erzählen können.
    Ich würde da zum Beispiel erzählen, dass ich es Online auch immer total deutlich mitbekomme, wenn jemand beim Spiel „Mein Huhn legt 14 Eier“ entgegen der Spielregel doch heimlich mitgeschrieben hat und das dann abliest. Das sehe ich immer ganz deutlich, auch wenn ich das Papier und den Stift nicht sehe :-).
  • Wenn dem TN kein Gegenargument zu dem gezogenen Argument einfällt, kann er auch ein völlig anderes aus der Pro-Abteilung nennen.
  • Oder er kann einen „Publikums-Joker“ wählen und jemand anderes aus der Gruppe kann ein passendes Gegenargument liefern, wenn jemandem was einfällt.
  • Und wenn überhaupt niemandem etwas einfällt, dann zieht er einfach eine andere Karte aus der Pro-Abteilung und legt sie daneben!!

Umkehr-Variante

Du kannst den ganzen Verlauf auch genau umgekehrt durchführen.
Jemand aus der Pro-Gruppe zieht eine Karte der Pro-Argumente und erläutert diese evtl. noch.

Und muss dann selbst ein Argument der Kontra-Seite entwickeln – oder wenn ihm nichts einfällt, eine Kontra-Karte ziehen und dann sich dazu äußern.

Trainer-Hinweis

Nimm das Ganze als Experiment, nicht als ein Spiel mit strengen Regeln. Wenn dir während der Methode noch ganz andere Varianten einfallen oder sich ganz andere Dinge ergeben, dann nutze sie. Lass dich darauf ein.

Es geht einzig und alleine darum, dass die Gruppe ins Gespräch kommt und sich neue Gedanken zum Thema macht.

Ob ihr das mit Variante A oder B oder einer Mischform oder völlig anders macht, ist im Grunde schnupps.
Das sind hier nur Anregungen!

Viel Spaß!

2 – Online-Variante mit Gruppen-Erarbeitung

Es bilden sich 2 Gruppen, eine Pro- Gruppe und eine Kontra-Gruppe-

Sie können sich nach ihrer tatsächlichen momentanen Haltung bilden oder aber auch bewusst in die Gruppe gehen, deren Argumente sie (noch) nicht einnehmen.

Die Gruppen sollten auf jeden Fall gleich groß sein, daher muss eh ein bisschen geschoben und geändert werden.

Letztendlich ist es gleich, weil sie sich ohnehin mit beiden Seiten befassen müssen.

1. In Breakout-Rooms Argumente sammeln

Die Gruppen gehen in verschiedene Breakout-Rooms, eine Pro-Gruppe und eine Kontra-Gruppe.
Wenn die Teilnehmerzahl größer als 12 ist, würde ich mehr Gruppen bilden, also 2 Pro und 2 Kontra Gruppen, so dass in jeder Gruppe nicht mehr als 5-6 TN sind.

Im ersten Schritt sammeln sie Argumente für ihre Seite und notieren diese.
Entweder direkt auf einem Whiteboard auf Notizzettel – oder notfalls auch im Chat.
Dann kannst du sie notfalls dort rauskopieren und auf ein Whiteboard packen.

Du gibst vorher klare Anweisungen:
– wie viele Argumente sie sammeln sollen
– wie und wo sie diese notieren
– wie lange sie Zeit in der Arbeitsgruppe haben.

2 Alle Notizen auf ein Whiteboard

Wenn die Gruppen ihre Argumente schon selbst auf Notizzettel auf dem Whiteboard notiert hat, kannst du sie ganz einfach alle markieren, auswählen, kopieren und auf ein neues Whiteboard packen.

Wo du auch die Argumente der Gegengruppe hinzufügst.

Dann packst du noch Notizzettel zum Verdecken drauf (das geht auch mit einem Streich, das zeige ich im Video).

Weiterer Verlauf

Dann geht die Methode genauso weiter wie oben unter Variante 1 beschrieben.


3 – Weiterarbeit und Auswertung

Wenn dann am Ende jede Menge Pro und Kontra-Argumente neben dem Spielfeld liegen und besprochen und bearbeitet wurden, fehlt natürlich noch ein schöner Abschluss.

Wie du den gestaltest, hängt natürlich auch ein bisschen davon ab, wie intensiv ihr vorher schon über einzelne Punkte diskutiert habt.
Oder ob es nur so zack zack hin und her ging mit den Pro und Kontra Argumenten.

Dann hast du verschiedene Möglichkeiten für einen Abschluss:

1. Jeder bekommt 3 Punkte und ordnet sie den 3 Argumenten zu, die er die überzeugendsten findet.

2. Jeder verteilt 3 Punkte an Argumente der Gegengruppe, die für ihn neu und überzeugend waren.

3. Du kannst auch einfach jeden ein Emoji auf einen Notizzettel einfügen lassen, das geht ja auf dem Zoom-Whiteboard.

Natürlich könnt ihr auch in der Gesamtgruppe noch mal eine Runde machen und euch austauschen.

Auch dazu empfehle ich dann aber konkrete Vorgaben, wie: „Jeder nennt ein Argument der Gegenseite, das ihn überzeugt hat.“
Oder: „Jeder nennt seine drei wichtigsten Argumente für seine eigene Überzeugung.“

4 – Liste mit Argumenten Pro und Kontra Online-Seminare

Pro-Argumente – Äußerer Rahmen und praktische Gründe

  1. Ich muss nicht mehr rumreisen mit Zug oder Auto, frierend auf Bahnhöfen stehen, Gepäck schleppen oder fluchend im Stau stehen
  2. Ich muss nicht mehr in Hotels übernachten.
  3. Ich spare Fahrtkosten.
  4. Ich spare Hotelkosten.
  5. Kurz, ich spare Zeit, Geld und körperliche Anstrengung! Nicht nur für ältere Menschen ein wichtiger Grund.
  6. Ich kann TN erreichen, denen eine Teilnahmen in Präsenz nicht möglich wäre: weil sie in einem anderen Land leben, weil sie beeinträchtigt sind, weil sie nicht so lange von zu Hause wegkönnen ((kleine Kinder, Pflegeangehörige))

Pro-Argumente – Inhaltliche, methodisch-didaktische Gründe

Diese Gründe sind für mich natürlich noch viel wichtiger, auch wenn die anderen seit meinem Unfall auch eine große Rolle spielen!

  1. Ich kann mit Menschen arbeiten, denen eine Teilnahmen sonst nicht möglich wäre. Ich weiß, das habe ich auch unter den praktischen Gründen geschrieben, es ist aber für mich auch ein Grund, der mit meinen Werten zu tun hat. Ich kann Menschen Zugang zu Weiterbildung ermögliche, die sonst ausgeschlossen wären. Das finde ich schön!
  2. Ich kann online methodisch und didaktisch genauso wertvoll und effektiv arbeiten, wie in Präsenz-Seminaren. Wenn ich weiß, wie das geht, mich mit der Technik auskenne und entsprechende Methoden zur Verfügung habe.
  3. Ich habe online sogar oft noch mehr Möglichkeiten, es gibt bei manchen Methoden online 2-3 Varianten, wo es Präsenz nur eine gibt.
  4. Ich habe einen leichteren Zugang zu allen Ressourcen, die ich brauche.
  5. Ich kann intensiver mit einzelnen Teilnehmenden arbeiten.
  6. Ich kann vor allem auch die Umsetzung des Gelernten besser unterstützen und den Transfer begleiten, was nach 2-tägigen Präsenz-Seminaren nicht möglich war.

So, ich habe natürlich noch vieeel mehr in Petto, aber als Beispiel reicht das erst mal.

Jetzt muss ich mal schauen, ob mir auch so viele Kontra-Argumente einfallen.

Kontra-Argumente – äußerer Rahmen und praktische Gründe

  1. Ich muss eine Plattform auswählen, es gibt so viele, welche nehme ich?
  2. Ich muss eine Webinar-Plattform buchen und bezahlen.
  3. Ich muss mich in die Technik einarbeiten und habe Schiss davor.
  4. Ich hocke die ganze Zeit vor dem PC und kann mich nicht bewegen.
  5. Ich muss die Plattform nutzen, die mein Kunde nutzt und mich daher in ganz viele verschiedene einarbeiten. Dazu habe ich keine Lust.
  6. Wie das dann mit der Anmeldung geht- keine Ahnung?

Kontra-Argumente – inhaltlich, methodisch-didaktische Gründe

  1. Ich habe viel direkteren Kontakt mit den Teilnehmenden.
  2. Ich kann TN von Kopf bis Fuß sehen.
  3. Ich kann bewegte Spiele wie Wäscheklammer-Jagen machen, was online nicht geht.
  4. Ich kriege ja gar nicht mit, was die Einzelnen machen und wie es ihnen geht.
  5. Die TN können ja nebenher ganz andere Dinge tun, das bekomme ich gar nicht mit.
  6. Ich kann meine Lieblingsmethoden online bestimmt nicht einsetzen.


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