Ich mache gerade wieder meinen 4-wöchentlichen Arbeits-Urlaub in der Türkei. Mit dem Plan, in der 1. Woche nur Urlaub zu machen.
Um runterzukommen, mich zu erholen und aufzutanken.
Denn ich habe schon vor Jahren gemerkt, ich brauche Zeit, um den Motor wirklich runterzufahren. Das geht nicht auf Knopfdruck.
Aber was bedeutet das genau?
Und wie geht das mit dem Nichts-Tun?
Nichts Tun
Wir machen ja immer irgend etwas.
Wenn wir nicht schon die fortgeschrittene Variante von ZEN-Meditation erreicht haben.
Ich kann das leider trotz jahrelanger Übung nicht!
Ansonsten ist zumindest unser Geist immer beschäftigt. Mit Denken, mit Wahrnehmen, mit Bewerten, mit Entscheiden, mit was auch immer.
Und im Urlaub liege und sitze ich zwar viel rum, aber dabei schreibe und lese ich in der Regel oder döse.
Also fällt das mit dem Nichts-Tun als Definition schon mal flach.
Nicht arbeiten
Als neue Beschreibung könnte ich dann nehmen: nicht arbeiten.
Das kann ich auch durch äußere Handlung bzw. Nicht-Handlung definieren: Nicht das Laptop anfassen und aufklappen.
Was natürlich nicht so ganz verhindert, dass ich trotzdem schon mal an die Arbeit denke, Ideen entwickele, einiges ins Heft schreibe.
(Ich schreibe diesen Text jetzt natürlich am Laptop).
Das wollte ich in der ersten Woche durchhalten.
Dann kamen interessante Workshops- alle am Dienstag – wo ich mich fröhlich anmeldete und dachte: Naja, einen Tag eher macht nix, dafür werde ich ja später auch noch etliche Tage nicht arbeiten.
Jetzt ist es aber erst der vierte Tag und ich sitze am Laptop.
Weil es regnet und ich nicht den ganzen Tag auf dem Bett sitzen mag und Krimis lesen. Da werde ich todmüde.
Also das Laptop geschnappt, in den Garten an die Tische unterm Dach – und juhuuu, ich kann hier schreiben. Während ich den Tropfen lausche, die aufs Dach trommeln und in den Garten schaue, wo sich die Pflanzen über den Regen freuen.
Keine Pläne
Das ist für mich ein weiteres Merkmal von Urlaub, was ich in der Türkei wunderbar lernen und üben kann.
(Denn ich sage immer scherzhaft und todernst gemeint: Mit Türken kann man nicht planen!)
Ich plane ja total gerne. Habe schon als Kind vor dem Urlaub Listen geschrieben.
Entwickele bei Notion immer neue Planungssysteme (das optimale habe ich leider immer noch nicht für mich gefunden).
Und wenn ich mir spontan anschaue, was dahinter stecken könnte:
1 – Vorfreude!
Bei Urlaub ist das klar, aber auch wenn ich Projekte plane, ein Seminar plane, spielt das wohl eine Rolle. Indem ich es plane, erlebe ich es schon einmal vorweg. Ähnlich wie beim Manifestieren und Affirmieren. Da werden ja auch schon die positiven Gefühle ausgelöst.
2 – Sicherheit
Planung erzeugt bei mir Sicherheit. Ich weiß zwar nicht, was mich erwartet, aber ich kann es zumindest schon mal vorwegnehmend planen. Das garantiert dann den entsprechenden Verlauf eher als wenn ich nichts plane und alles auf mich zukommen lasse.
Was bei Seminaren ja auch ziemlich fatal wäre.
3 – Kontrolle
Das hängt sicher eng mit 2 zusammen.
Ich will beeinflussen, was wie wann passiert und dazu muss ich es mir vorher anschauen, vorstellen und planen.
4 – Überblick
Auch das hängt mit 2 und 3 zusammen. Wenn ich einen Gesamtüberblick habe, fühle ich mich sicherer.
Auch hier: bei einer Seminarplanung wird das jedem einleuchten.
Planung macht flexibler
Vor allem habe ich bei Seminaren die Erfahrung gemacht:
wenn ich es gut vorher plane, bin ich IM Seminar umso flexibler und kann ganz entspannt auf konkrete Bedürfnisse und Ereignisse eingehen. Weil ich mich grundlegend erst einmal sicher fühle durch die Planung.
Kulturelle Unterschiede
Aber auch im Urlaub gibt es solche Elemente.Ich habe hier ja auch einige Freunde in der Gegend wohnen, die ich gerne sehen möchte.Vorher zu schreiben, ich komme dann und dann, hat nicht viel Sinn.Sie schreiben dann, wie schön, ich freue mich – und haben es wahrscheinlich in 5 Minuten vergessen.Sie kämen nie auf die Idee, dass in ihren Terminkalender zu schreiben.(Haben sie überhaupt einen Terminkalender :-)?)
Also melde ich mich, wenn ich hier bin.
Ja, wie schön, wir sehen uns bestimmt….
Und das betrifft nicht nur türkische Freunde. Ich habe hier eine Freundin aus Österreich, die schon sehr lange hier lebt und das vollkommen übernommen hat.
So kann ich also wunderbar üben, was ja auch im wahren Leben durchaus hilfreich ist:
- Dinge sich entwickeln lassen
- Vertrauen
Dinge sich entwickeln lassen
Da ich die ersten Tage hier ja nichts vorhabe, außer es mir gut gehen zu lassen, fällt es mir da leichter, von einem Moment zum anderen zu schauen und wahrzunehmen, wonach mir gerade ist.
Werde ich beim Lesen müde, lege ich das Buch zu Seite und mache ein Nickerchen auf der Liege im Garten.
*** (Was dann auch wieder abrupt unterbrochen werden kann durch eine laut telefonierende Gästin, die meint, sich 2 Meter vor meine Liege stellen zu müssen und mit sehr hoher kreischender Stimme das Handy 2 Meter entfernt haltend, telefonieren zu müssen.
Oder dass genau das Zimmer hinter mir jetzt geputzt wird, der Staubsauger dröhnt, die Türen knallen.
Oder irrsinnig laut kreischende Elstern in der Palme über mir sitzen).***
Ansonsten ist es hier ein sehr ruhiger friedlicher Ort, zumal die meisten Gäste den ganzen Tag am Strand liegen und ich den Garten für mich habe.
Bekomme ich Hunger, mache ich mir was zu essen.
Habe ich Bewegungsdrang, gehe ich meinen Nachmittags-, Abend-Runde, am Meer entlang.
Mache Pause auf Luxus -Liegen mit dicken Polstern, die zu einem teuren Hotel gehören, auf die ich mich heimlich schmuggele (bis jetzt hat mich noch niemand verjagt).
Entscheide spontan, ob ich essen gehe oder mir was Kleines mache.
Und in all dem ungeplanten Tun ergeben sich hier ständig Begegnungen und Ereignisse.
Wenn ich schaue, mit wie vielen Menschen ich hier in den ersten 3 Tagen gesprochen habe, das schaffe ich zu Hause nicht in einem Monat.
Ich treffe auf Schritt und Tritt alte Bekannte, Einheimische und Touristen, ich lerne hier in meinem kleinen Hotelchen auch ständig neue Menschen kennen. So lernte ich gestern ein total nettes Ehepaar aus Deutschland kennen, die Monate in der Türkei verbringen. Die Frau hatte ihren 77. Geburtstag und so gab es gestern Abend eine spontane Einladung zum Feiern mit Rotwein, wo noch dieser und jener dazu kam.
Leider reisten sie heute schon ab, herzlicher Abschied.
Und schon kam die nächste um die Ecke: Ach, du bist auch wieder hier.
Vertrauen
Das ist auch ein Thema, auf das ich in diesem schon öfter erwähnten UP-Lift Programm immer wieder hingewiesen werde.
Dass ich diese Seite in mir ruhig noch etwas stärken kann. Nicht immer nur aktiv machen und planen und tun und ackern, sondern auch Vertrauen, dass sich die Dinge so entwickeln, wie sie gut sind. Und mich dafür öffne und empfange.
Und dazu fällt mir wieder ein Spruch ein, den ich vor vielen Jahren mal gehört habe:
Binde erst dein Kamel fest und dann vertraue auf Allah!
Das bedeutet für mich:
Ich gebe mein Bestes, also lege nicht die Hände in den Schoß und sage: “Gott wird’s schon richten”, sondern tu, was in meiner Macht steht – und lasse dann los und vertraue.
Wobei ich diese “weibliche Seite” durchaus noch weiter trainieren darf, in mir steckt immer noch mehr die “Macher-Seite”.
Aber in dieser Umgebung hier kann ich das eben besonders gut üben und trainieren.
Fazit oder Kurzfassung
Ich plane nichts, freue mich an dem, was kommt und wenn es doof ist, was kommt (wie Regen), dann mache ich das beste draus und werfe Pläne (nicht ans Laptop gehen) über den Haufen. Ohne mich schlecht zu fühlen!!!!
Das ist das Allerwichtigste!!!
Denn da lauert wieder SchleWi (das schlechte Gewissen) in der Ecke und will sich freudig hervorstürzen und rufen: “Du hattest doch was anderes geplant!”
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